Wenn Sie den Digitalen Produktpass klug einsetzen, können Sie Supportkosten senken und zusätzliche Umsätze generieren. Das kann ohne eigene App oder neue Werbekanäle gelingen. Lesen Sie weiter, um zu erfahren, wie es funktioniert.
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Der Digitale Produktpass (DPP) kommt. Und für viele Hersteller klingt er zunächst wie ein reiner Kostenfaktor. Etiketten, Software, Datenpflege: alles zusätzliche Aufwände, die regulatorisch vorgeschrieben sind.

Aber wer den Digitalen Produktpass nur als Compliance sieht, verschenkt großes Potenzial.
Ja, der Digitale Produkpass kostet Geld. In der Praxis bewegt sich der Aufwand meist im unteren Cent-Bereich pro Produkt. Bei QR-Codes etwa 0,10 bis 0,15 €, bei NFC-Tags 0,25 bis 0,30 €. Rechnet man Plattform- und Lizenzkosten hinzu, liegt man bei typischen Stückzahlen oft um die 0,40 € pro Gerät.
Aber der QR-Code am Produkt erfüllt bereits drei von vier Kriterien für eine erfolgreiche Nutzeraktivierung:
Fehlt nur noch das vierte Kriterium: Content. Und genau hier entscheidet sich, ob ein Scan nur Compliance liefert oder echten Business Impact. Mit der richtigen Priorität für Fix, Buy oder Book kann ein Scan Supportkosten senken, Zubehör verkaufen oder Serviceumsatz bringen.
Es gibt drei Hebel, mit denen jeder Scan Wert schafft.
Fix: Der Kunde löst ein Problem selbst. Das reduziert Tickets, Retouren und Hotline-Anrufe. Die Effekte sind messbar über Ticket-Deflection, First-Time-Fix (FTF) oder Mean-Time-to-Resolve (MTTR). Schon eine Deflection-Rate von 15 % kann die Supportkosten signifikant senken.
Buy: Nach dem Scan werden passende Zubehörteile oder Ersatzteile angezeigt. Die Unsicherheit beim Kauf entfällt, Retouren sinken. Messen lässt sich das über die Scan-to-Cart-Rate und den Deckungsbeitrag.
Book: Der Scan führt direkt zu einer Terminbuchung für Wartung, Installation oder Upgrade. So werden Serviceumsätze planbarer. Wichtige Kennzahlen sind Scan-to-Book-Rate, No-Show-Rate und Average Order Value (AOV) im Service.
Die Leitmetrik für alle drei Hebel ist Wert pro Scan.
Formel: (Umsatzteile + Serviceumsätze + vermiedene Supportkosten) ÷ Anzahl der Scans.
Beispielrechnung
1.000 Scans × 15 % Deflection × 12 € pro Ticket = 1.800 €
1.000 Scans × 3 % Scan-to-Cart-Rate × 50 € AOV × 40 % Marge = 600 €
1.000 Scans × 1 % Scan-to-Book-Rate × 120 € × 50 % Marge = 600 €
→ 3.000 € Gesamtwert/Monat bzw. 3 € Wert pro Scan
Viele Unternehmen machen es ihren Nutzern unnötig schwer, überhaupt Hilfe zu bekommen. Kontaktformulare sind versteckt, Hotlines überlastet, Chatbots zu generisch. Die Folge: Frust, Fehlbedienungen und nicht selten Geräte, die falsch, ungern oder irgendwann gar nicht mehr genutzt werden. Genau hier dreht der DPP-Scan den Spieß um. Er bietet proaktive Hilfe direkt am Gerät, in dem Moment, in dem sie gebraucht wird. Das stärkt die Kundenbindung und hebt Ihre Marke ab, besonders in Märkten mit austauschbaren Produkten.
So wirkt „Fix it fast“: Beim Scan öffnet sich eine Seite für genau dieses Modell. Oben steht ein klarer Call-to-Action: Problem lösen. Statt langer Texte führen drei kompakte Schritte mit Fragen, Bildern und kurzen Videos schnell zur Lösung. Ist das Problem behoben (= kein Kontakt zum Support in den folgenden 48 h), wird die Deflection als Erfolg gezählt. Falls nicht, erfolgt die Übergabe an den Support mit vorbefüllten Feldern wie Serien- oder Fehlercode, damit der Kunde nicht von vorn beginnt.
Warum das performt: Der Scan bündelt Intent + Kontext + Vertrauen. Nutzer sind bereits am Produkt, wollen „jetzt gleich“ eine Lösung und akzeptieren kurze, präzise Anweisungen. 51 % der Nutzerinnen und Nutzer bevorzugen bei akuten Fragen Anleitungen oder Bots statt eines Gesprächs mit einem Menschen. Die Tendenz steigt (Zendesk CX Trends 2024). Und weil die Wissensbasis aus dem PIM kommt, bleiben Inhalte konsistent. So sinken Ticketvolumen, Bearbeitungszeit (MTTR) und Retouren, während die First‑Time‑Fix‑Rate steigt.
KPIs, auf die es ankommt:
Praxis‑Tipp: Zeigen Sie unter dem letzten Schritt optional die „benötigten Teile“, wenn die Diagnose eindeutig ist. So wird „Fix“ zum Türöffner für „Buy“.
Nicht jeder Kauf muss bei Amazon & Co. landen. Kontext ist ein echter Conversion‑Driver und den hat man beim DPP‑Scan automatisch. Der Code weiß, welches Gerät vor dem Nutzer steht (Modell, Variante, ggf. Seriennummer). Statt einen allgemeinen Shop zu durchsuchen, sehen Kundinnen und Kunden drei bis fünf passende Vorschläge: Pflichtzubehör, Verschleißteile sowie Sicherheits- oder Komfort-Upgrades. Diese Trefferquote am Ende eines geführten Flows schlägt die Conversion eines normalen Shop‑Einstiegs fast immer. In der Folge sorgt das für weniger Zweifel, Abbrüche und Retouren.
So wirkt „Buy“: Die Seite zeigt zuerst den Nutzen, zum Beispiel „Hundert Prozent kompatibel mit [Modell]“. Es gibt einen Call-to-Action „Jetzt Teil bestellen“ und einen kurzen Sicherheitshinweis wie „Garantie bleibt erhalten“. Wer mehr wissen möchte, öffnet die Digitaler Produktpass (DPP) Details und geht danach direkt in den gewünschten Checkout im Shop, beim Händler oder auf dem Marktplatz. Optional ergänzt ein „Bundle‑Nudge“ (z. B. Filter + Dichtung + Pflegemittel) den Warenkorb sinnvoll.
Warum das performt: „Buy“ nutzt die Sicherheit des DPP‑Kontexts. Das erhöht die Scan‑to‑Cart-Rate, senkt Fehlkäufe und stärkt Brand‑Ownership über den Bestand, statt die Kunden an andere Marktplätze zu verlieren.
KPIs, auf die es ankommt:
Viele Produkte liefern erst mit Installation, Kalibrierung oder Wartung ihren vollen Wert. Der DPP‑Scan macht diese Anlässe sichtbar. Ein Hinweis wie „Wartung fällig in zwölf Tagen“ oder „Rückruf aktiv“ schafft sofort Relevanz. Der Call-to-Action führt direkt zur Terminbuchung mit sichtbaren Terminen für Vor-Ort Service, Partner oder Versand-Service. Klare Service Level Agreements und Preisinfos bauen Hemmnisse ab, Reminder reduzieren No‑Shows. Nach dem Einsatz wird die Leistung im Wartungs- und Reparaturprotokoll erfasst und ist im Digitalen Produktpass (DPP) nachvollziehbar.
Warum das wirkt: Book macht aus ungeplanten Anfragen planbare Aufträge. Zusatzpakete erhöhen den durchschnittlichen Bestellwert. Das steigert nicht nur Erlöse, sondern stabilisiert die Kundenerfahrung über den Lebenszyklus.
KPIs, auf die es ankommt:
💡 Praxis‑Tipp: Bieten Sie zwei schnelle Slot‑Optionen („heute Nachmittag“ / „morgen früh“) plus „Wunschtermin“. Drei Entscheidungen sind genug und mehr Auswahl bremst häufig.
Umsatzdaten sind alles, was Nutzer ins Handeln bringt:
Diese Informationen ändern sich häufiger und sind Hebel für Conversion, A/B-Tests und Kampagnen.
Compliance-Daten sind die gesetzlich geforderten Inhalte des Digitalen Produktpass (DPP):
Diese Daten müssen korrekt, nachvollziehbar und prüfbar sein. Sie sorgen für Transparenz, nicht für direkten Umsatz.
Warum trennen? Weil beide Datenwelten unterschiedlich arbeiten. Revenue-Daten müssen schnell geändert und getestet werden. Compliance-Daten brauchen Prüfung und eine lückenlose Historie. So senken Sie Risiken, denn Marketing-Updates dürfen niemals Pflichtangaben verändern. Die Zuständigkeiten unterscheiden sich: Revenue liegt meist bei Marketing, Produktmanagement und After Sales. Compliance liegt bei Regulatory, Qualität und Recht. In der Nutzung gilt: Revenue Daten steuern die Scan Seite und führen zur Handlung. Compliance Informationen sind jederzeit abrufbar, ohne den Ablauf zu stören.
Für den Ort des QR-Codes gilt generell:
Empfehlung: Wählen Sie mindestens zwei Orte für den Code. So bleibt der Scan möglich, auch wenn die Verpackung weg ist oder der POS abgeschlossen ist. Testen Sie außerdem Verpackung, Gerät, POS & Co. und messen Sie Scan-Rate, CTR und Conversion. Danach wissen Sie, wo der Code dauerhaft am meisten Wirkung entfaltet.
Wichtig: Statischer Inhalt wird einmal gescannt. Sichtbar veränderte Inhalte werden immer wieder gescannt. Der erste Scan löst ein akutes Problem. Der zweite Scan macht das Scannen zur Routine. Wenn sich Inhalte sichtbar ändern, entsteht eine Gewohnheit: Signal, Scan, Nutzen, wiederholen. Platzieren Sie Änderungen gut sichtbar und datieren Sie diese („Aktualisiert: vor 3 Tagen“). So lernen Nutzer: Hier passiert was, wenn ich scanne.
Ein Scan-Projekt betrifft fast alle zentralen Funktionen. Klare Rollen verhindern Stillstand:
Idee 💡: Stellen Sie eine DPP Task Force auf. Statt Silo-Zielen haben alle dieselben OKRs: Scan-Rate, FTF, Scan-to-Cart-Rate.
„Alles für alle“
Ein einzelner Flow, der gleichzeitig Endkunden, Techniker und Handel bedienen soll, trifft am Ende niemanden. Entscheiden Sie sich je Scan für eine Persona und ein Primärziel (Fix oder Buy oder Book). Das macht Headline, Microcopy und CTA eindeutig und die Conversion messbar.
Lange Texte
Lange PDFs im Handyformat sind Conversion-Killer. Besser: Snackable Steps mit maximal drei Aktionen bis zur Lösung und GIFs/Kurzvideos (10–15 s).
Keine Attribution
Ohne Messung ist jeder Flow Bauchgefühl. Kennzeichnen Sie alle Scans mit UTM Parametern und protokollieren Sie Ereignisse wie Seitenaufruf, Start und Abschluss der Hilfe, Warenkorb und Terminbestätigung. So wird aus Traffic zuordenbarer Wert (Deflection, Scan-to-Cart/Book-Rate, Wert/Scan).
1) DPP-MVP-Felder im PIM anlegen
2) SKUs für den Pilot wählen
3) Ein Landing-Template aufsetzen
4) QR-Code an drei Stellen testen
5) Dashboard mit 6 KPIs bauen
Der Digitale Produktpass (DPP) wird Pflicht und ist eine Chance als legitimierter Einstieg direkt am Produkt. Setzen Sie ihn dort ein, wo er wirkt. Mit den verschiedenen Playbooks senken Sie Supportkosten, verkaufen Teile und machen den Service planbar. Der Hebel dahinter ist immer derselbe: Kontext. Wenn beim Scan genau das erscheint, was in diesem Moment hilft, gewinnen Sie Vertrauen und Conversion.
Steuern Sie das Projekt mit der Zahl: Wert pro Scan. Diese Kennzahl verbindet Deflection, Warenkorb und Serviceumsatz und macht Fortschritt sichtbar. Eine zweite Kennzahl ist ebenso wichtig: die Quote der Wiederholungsscans. Inhalte, die sich sichtbar verändern, etwa Status, Rückruf oder neue Angebote, sorgen dafür, dass erneut gescannt wird und schaffen eine Gewohnheit beim Nutzer.
Pflegen Sie Revenue Daten und Compliance Daten getrennt und zeigen Sie sie gemeinsam an der richtigen Stelle. So bleibt alles rechtskonform und dennoch schnell testbar.
Starten Sie klein und lernen Sie schnell. Ein paar Produkte, ein Playbook, 2-3 QR Touchpoints, 30 Tage messen, danach ausrollen, was wirkt. PX, PIM und DPP wirken zusammen. PIM liefert zentrale Daten, PX spielt sie im Kontext aus und der Digitale Produktpass (DPP) ist der Türöffner. Der Rest ist saubere Umsetzung.
Produkte können mit einem Standard-GS1 Digital Link (QR/NFC) versehen werden. Sie können das Ziel des GS1 Digital Link jederzeit ändern, zum Beispiel auf die Homepage, eine Aktionsseite oder eine Anleitung. Ein Rückbau ist damit möglich, ohne Produkte zurückzuholen oder Codes zu entfernen. Wichtig ist nur, dass bei DPP-Pflicht weiterhin die vorgeschriebenen Informationen zugänglich bleiben.
Dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung. Maßgeblich sind die jeweils gültigen delegierten Rechtsakte und sektorspezifischen Vorgaben.
Durch die Schnittstelle zwischen Akeneo und sqanit können die Daten aus Akeneo automatisch in den DPP von sqanit eingespeist werden. Mit sqanit nutzen und reparieren Ihre Kunden Ihr Produkt einfach – und Ihr Unternehmen erfüllt die Compliance-Anforderungen des Digitalen Produktpasses. Mehr erfahren